Mittwoch, 3. Dezember 2008

Die Tage 46 bis 57

Der 46. Tag war ein unverhoffter zusätzlicher Pausentag. Mein Zeh war blitzblau und dick angeschwollen und ich hatte Mühe in den Schuh zu kommen. Also beschlossen wir noch einen Tag zu bleiben. Wir schliefen die meiste Zeit und ich beschäftigte mich mit Kühlen und Hochlagern meines Fußes.

Nach zwei Tagen Pause ging es am 47. Tag zum ersten Mal in einer Winterlandschaft weiter. Ziel war der Haflingerhof Rohrmoser in Wessobrunn. Die Straßen waren zum Teil
gefährlich glatt. Dafür schien die Sonne und der eisige Wind des Vortages hatte sich gelegt. Oft werden wir unterwegs angesprochen und es wird nach dem Woher und Wohin gefragt. Großes Staunen lösen auch immer wieder die Hufschuhe unserer Pferde aus. Leute, die selbst mit Pferden zu tun haben, können oft gar nicht glauben, dass Hufschuhe selbst für so lange Ritte geeignet sind.

Der 48.Tag war wieder so ein Tag, an dem wir morgens noch nicht wussten, wo wir die nächste Nacht verbringen werden. Unsere Freundin Manuela Murauer half uns und so landeten wir bei Frau Meyer-Herz in Schwabniederhofen. Als wir kamen, hatte sie schon einen Platz für unsere Pferde hergerichtet und sie lud uns zu Grünkohl mit Pinkel ein. Endlich mal wieder ein norddeutsches Gericht! Als sie von unserer Mission erfuhr, informierte sie gleich die Presse und außerdem gab sie uns Gelegenheit auf der Einstellerversammlung ihr Reitanlage einen kleinen Vortrag über unsere Reise und über den Sterntalerhof zu halten.

Bei knackigen minus 10 Grad Celsius ging es am 49.Tag weiter. Eigentlich sollten wir bei einer Bekannten von Frau Herz unterkommen, doch als wir dort ankamen, hatten sich die Bedingungen geändert. Wir sollten zwei unserer Pferde in einer Box anbinden und dass kommt für uns nur im absoluten Notfall in Frage. Was nun? Ich fragte, ob es noch andere Pferdehalter in dem Ort gab. Über mehrere Zwischenstationen bekamen wir eine Platz auf der "Five Horses Ranch", einem kleinen Stall mit gemütlichen Saloon von Chris Rasch. Der sagte spontan zu und er und seine Freundin Antje freuten sich riesig darüber, dass wir ihre Gäste wurden.

Es war bitterkalt am Morgen des 50. Tages. Minus 12 Grad Celsius! Navajo zeigt heute ein ungewöhnliches Verhalten, der gierigste von allen will nicht fressen. Wir beobachten, wie er scharrend dasteht und sich hinlegen will. Die Darmgeräusche sind schwach. Wir rufen einen Tierarzt, der auch in wenigen Minuten schon da ist. Navajo wird erst abgehorcht und dann schiebt der Tierarzt den ganzen Arm in Navajo’s After. Er fühlt, ob es Darmverschlingungen gibt. Entwarnung! Alles an seinem Platz. Dr. Georg Weinhart erklärt uns, dass er im Augenblick viele Pferde mit Verstopfung zu behandeln hat. Das kommt daher, dass die Pferde bei der Kälte nicht genug trinken. Er gibt noch eine krampflösende Spitze und sein ok für die Fortsetzung unserer Reise. Wir wandern und reiten durch eine bezaubernde Winterlandschaft. Der Raureif hat alles mit Eiskristallen überzogen. Nach einer kurzen Etappe erreichen wir am Nachmittag den Schimmelhof in Ebersbach. Navajo ging es noch immer nicht so gut. Er wollte weder richtig fressen noch saufen. Babsi, die Chefin vom Schimmelhof machte eine Box frei und wir holten Navajo rein. Wir entschlossen uns, einen Tag Pause zu machen. Von Babsi's Mutter wurden wir lieb versorgt.

Am 52. Tag erholte sich Navajo gut, er war zwar noch nicht ganz der Alte, doch er trank und fraß wieder relativ gut. Deshalb entschlossen wir uns, am 53. Tag weiter zu reiten. Heute erreichten wir den höchsten Punkt unserer bisherigen Reise, Eschers in 901 Meter über Meeresspiegel. Naja, nicht wirklich spektakulär diese Höhe, aber wir haben den Ausblick genossen. Aus Rücksicht auf Navajo machten wir eine Kurzetappe. Am frühen Nachmittag kamen wir auf dem Schilchernhof in Schrattenbach an. Nach nun insgesamt 4 Übernachtungen in eisige kalten Räumen ohne Heizung freuten wir uns auf ein Bett im Warmen. Auf dem Schilcherhof wird gerade ein Reithalle mit extra großem Dach für eine Solaranlage gebaut. Hier haben wir auch aus erster Hand bestätigt bekommen, dass es in Deutschland möglich ist, eine Reithalle sozusagen umsonst zu bekommen, wenn man die riesige Dachfläche zur Stromerzeugung mit Sonnenernergie nutzt.

Wir haben auf unserer Reise viele schöne Erfahrungen gemacht und viele nette und hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Am 54. Tag kam es mal anders. Ziel war eine Wanderreitstation mit dem symbolträchtigen Namen "Hexenhof" in Maria Steinbach. Empfangen wurden wir von einer stark angetrunkenen Frau. Sofort ging das Theater los. Als erstes erklärte sie uns, wie richtig abgesattelt wird, schließlich ist sie Wanderreit-Ausbilderin vom Ersten Trekking Club Deutschland. Als nächstes limitierte sie die Heumenge für unsere Pferde, verweigerte, dass wir das Heu nass machen und machte sich darüber lustig, dass wir den Pferden handwarmes Wasser geben wollten, um sicher zu stellen, dass sie trinken. Wir kochten innerlich. Ohne Pferde hätte ich auf dem Absatz kehrt gemacht. Dann bot sie uns einen Tee an und es schien versöhnlich zu werden. Der Schein trügte. Jetzt legte sie erst richtig los. Wir hätten ja von nichts eine Ahnung, sind völlig unorganisiert, es sei eine Frechheit, dass wir so kurzfristig kommen (4 Tage vorher wurde sie von einem Freund gefragt, ob wir kommen können und sie hätte ja auch nein sagen können). An diesem Abend wollten sich Pferdefreunde vom Voralberger Parelli-Stammtisch und aus dem Voralberger Pferdeforum mit uns treffen. Als wir sagten, dass wir am Abend nicht da sein werden, dachte ich, wir werden gleich rausgeschmissen. Da sie etwas gekocht hatte, wurde uns die Missachtung der Gastfreundschaft vorgeworfen und gesagt, egal wo, wir brauchen zu ihr nicht mehr kommen. Als wir vom Treffen mit unseren Pferdefreunden zurück kamen, war die Besitzerin des Hofes auch da. Wir gingen hin, um guten Abend zu sagen und uns vorzustellen und wurden von dieser Dame auch gleich runtergeputz. Wir hätten so eine Schweinerei beim Heu gemacht, so etwas sei sie nicht gewohnt. Die Angesoffene saß da, grinste und wackelte mit der anderen den Kopf im Duett. Sie hatte ganze Arbeit geleistet. Super Übung zum Thema emotionale Fitness. Wir bezogen unseren Schlafplatz auf dem unausgebauten Dachboden mit scheibenlosen Fenstern. Bei minus 4 Grad konnten unsere Schlafsäcke mal wieder beweisen, was sie können. Am Kopfende des Bettes war alles voller Katzenscheiße. So etwas sind wir nun wieder nicht gewohnt. Ich runter und mit freundlichster Stimme um Handfeger und Kehrschaufel gebeten. Das war der Besitzerin nun doch etwas peinlich. Aber natürlich nicht so viel, dass sie sich dafür vielleicht entschuldigt hätte.
Der Abend mit den Voralbergern war toll. Denise, die das Treffen orgaisiert hatte, brachte uns Winnies Cockies und Suna Putzhandschuhe als Geschenke mit.

Am Morgen des 55.Tages waren wir so früh abreisebereit, dass wir noch auf den Sonnenaufgang warten mussten. Wir verabschiedeteten und bedankten uns für die Erfahrung, die wir dort machen durften (nämlich dass nichts selbstverständlich ist). Jaja, nichts zu danken, wurde uns geantwortet. Zunächst hatten wir noch schönes Wetter, dann begann ein heftiger Schneesturm aus Westen, der für den Rest des Tages anhielt. Der Wind peitschte uns den nassen Schnee ins Gesicht und in die Augen. Zuerst ritten wir. Doch dann wurde uns so kalt, dass wir nur noch marschierten. Nass, kalt und hungrig kamen wir gegen 15 Uhr bei der Wanderreitstation von Maritta Conrad in Leutkirch an. Wir wurden lieb empfangen, die Pferde freuten sich über eine große Box und reichlich Futter und wir über den geheizten Ofen. Am Abend kam uns Gunnar Schillig, ein alter Freund von Gabi und ihrer Familie, besuchen. Gunnar war einige Jahre in Australien, Papua Neuguinea, Neuseeland und USA auf Reisen in Sachen Horsemanship unterwegs und so gab es viel zu erzählen und zu tratschen. Da Gunnar nun schon wieder verreist ist (er besucht in Schweden ein Philippe Carl Kurs) ist sein Zimmer frei und wir machen zwei Tage Pause bei seinen Eltern, die uns auf's Beste betreuen.

Samstag, 22. November 2008

Wintereinbruch

Endlich haben wir wieder mal die Gelegenheit, etwas in unser Tagebuch zu schreiben. Gestern haben wir in einem Wettlauf mit dem Winter den Starnberger See südlich passiert und sind jetzt in Marnbach, kurz vor Weilheim in Oberbayern. Eine halbe Stunde, bevor ein kräftiges Gewitter losbrach und erst Hagel und dann Schnee brachte, erreichten wir unser Ziel. Nach unserem letzten Stop hatten wir uns eigentlich vorgenommen, bis zu Christine und Berni Zambail, bei dem wir einige Tage Station machen werden, durch zu reiten. Doch es kam anders. Claudia Wild, die erst vor kurzem ein Praktikum auf dem Sterntalerhof gemacht hat und bei deren Familie wir gerade zu Gast sind, hatte für uns ein paar Pressetermine zur Unterstützung unseres Spendenprojektes organisiert. Deshalb fuhren wir heute nach Gamisch Patenkirchen zu Radio Oberland, um ein Interview aufzuzeichnen. Es war toll zu sehen, wie "Radio gemacht" wird. Der Besuch in Gamisch Patenkirchen erschien mir ganz unrealistisch. Plötzlich waren wir am Fuße der Zugspitze und mitten im Winter. Beim ausgelassenen Spiel im Schnee war ich zu übermütig und habe jetzt einen dicken Zeh.

Rückblick unserer bisherigen Tage in Deutschland

Seit 13 Tagen sind wir schon in Deutschland. Leider konnten wir bisher nicht berichten, da wir nach Österreich keinen mobilen Internetzugang mehr hatten. Hier eine kurze Zusammenfassung unserer Abenteuer und Erlebnisse in Deutschland.
Der 34. Tag führte uns ein langes Stück an der Inn entlang. Zu Gast waren wir bei Barbara Drobar in Frauenstein, einer Frau, die schon seit Jugendjahren von einem langen Wanderritt nach Frankreich träumt. Ihr Kinder sind jetzt groß und nun arbeitet sie konsequent auf die Verwirklichung ihres Traumes hin. Sie war die erste überhaupt, die uns zu sich einlud. Der Deal war, wir bekommen Unterkunft und Verpflegung und als Gegenleistung darf Barbara uns ein Loch in den Bauch fragen. Wir gingen viel zu spät ins Bett.
Am 35. Tag überquerten wir die Inn über einem Staudamm und waren in Deutschland. Wieder hatten wir schöne Strecken am Inn entlang. Unser Ziel war die R&A Ranch, einer Wanderreitstation. Unsere erste Nacht in Deutschland verbrachten wir in einer 5 Sterne Blockhütte, in der es wirklich an nichts fehlte.
Der 36. Tag war unser erster Regentag. Es regnete von früh bis spät und wir mussten uns damit abfinden, dass der schöne Herbst nun wohl vorbei ist. Unser Tagesziel war Erlbach bei dem Rentnern Rita und Albert Winterer. Rita hatte uns einen tollen Eintopf gekocht, damit wir nach diesem Sauwetter gleich etwas Warmes essen konnten. Albert war gerade dabei, in einer alten Partyhütte am Weiher (klingt romantisch, war es aber bei dem Wetter nicht) den Kanonenofen für uns anzuheizen. Durch den Regen zog der Schornstein nicht und die ganze Hütte wurde erst mal ausgeräuchert. Schlieslich löste Albert das Problem mit dem Schornstein, wir zerlegten noch den großen Tisch wir konnten unsere Isomatten ausbreiten.
Auch am 37. Tag regnete es. Wir mussten die Pferde bei kalter Nässe draußen mit der Taschenlampe putzen und satteln. Jammern half nichts, also fanden wir uns mit der Situation ab. Wir marschierten fast ohne Pause ca. 25 Kilometer und erreichten am frühen Nachmittag den Reitstall Schrankl in Hart bei Mühldorf. Da es weiter in Strömen regnete, ließen wir unsere Pferde zum ersten Mal in Boxen übernachten. Das gefiel ihnen aber garnicht. Wir konnten im geheizten Reiterstübl übernachten und unsere Sachen trocknen.
Der 38. Tag war wieder trocken. Zum Glück, denn unsere Ausrüstung hatte unerwartete Schwächen gezeigt. Ziel dieser kurzen Etappe war die Lost Wheel Ranch von Ulrike und Berthold Höger in Auersdorf. Wir hatten die beiden Pferdeleute in Österreich auf der Lone Star Ranch kennen gelernt und waren schon gespannt, diese Anlage zu sehen. Das Besondere am Offenstall der Högers ist, dass durch deren Haltungs- und Fütterungsart die Pferde zum Laufen animiert werden. Auf die üblichen Freßständer für Rauhfutter wurde bewusst verzichtet, um das stundenlange Stehen der Pferde in diesen Verschlägen zu vermeiden. Freier Zugang zur Weide und eine kleine Durststrecke zur Tränke schaffen zusätzliche Bewegungsanreize. Große überdachte Flächen um die Reithalle bieten Schutz gegen Unwetter und Insekten.
Am 39. Tag kamen wir erst spät bei den Högers weg, da es noch so viel zu erzählen gab. Trotzdem erreichten wir unser Etappenziel, das Gut Berg, schon gegen 14 Uhr. Dieser Stall mit ganz außergewöhnlich große Boxen faszinierte uns, weil über dem Stall die ehemalige Tenne zur Reithalle umgebaut wurde. Hermann, der Verwalter dieser Reitanlage der Stiftung Ecksberg, fand die Idee unseres Spendenprojektes prima und will zur Weihnachtsfeier anregen, statt sich gegenseitig Geschenke zu machen, Kilometer für den Sterntalerhof zu kaufen.
Der 40. Tag brachte uns nach dem schnellen 39. Tag wieder auf den Boden der Realität zurück. Ziemlich erschöpft erreichte wir gegen 16 Uhr den Hof der Familie Fischer in Bruck. Wieder wurden wir von einer Familie so herzlich aufgenommen. Wir legten einen Pausentag ein, um unsere Wäsche zu Waschen und um unsere Ausrüstung in Rosenheim zu ergänzen. Bei den Fischers gab es viel zu sehen, denn sie haben nicht nur eine Landwirtschaft, sondern auch ein Sägewerk, eine Deutz Landmaschienen Werkstatt, ein kleines Wasserkraftwerk und ein Stromnetz mit 500 Kunden.
Am 41. Tag halfen uns wieder das Team vom Parelli Instruktoren Büro eine Unterkunft zu finden. An diesem Tag wollte uns zunächst keiner nehmen. Es ist immer lustig zu hören, was Menschen uns an Argumenten bringen, wenn sie nicht einfach " Nein, wir möchten nicht!" sagen können. Als Gabi dann Mittags die Nummer von der Reitanlage Thal bekam und dort anrief, sagte uns Verena Eiwen sofort zu. Eigentlich wollten wir in der Nähe von Tuntenhausen ein Quartier finden und mussten nun wieder ein ganzes Stück nach Norden Reiten. Verena versorgte uns mit Kaffee, Tee und Gebäck. Geschlafen haben wir in unserem Zelt auf der Tenne über dem Stall.
Am 42. Tag führte uns unser Weg zu Familie Fuß in Aschbach. Wir staunten nicht schlecht, als Susi und Thomas uns davon erzählten, dass sie selbst vor sechs Jahren mit zwei Pferden von Nürnberg nach Südfrankreich gewandert sind. Wir haben uns so gefreut, diese liebe Familie kennen zu lernen und unsere Erfahrungen mit ihnen auszutauschen. Thomas bot uns an, am nächsten Tag unser Gepäck zur nächsten Etappe zu transportieren.
Deshalb war es dann möglich, dass der 43. Tag unsere längste Etappe bisher wurde. Ungefähr 45 Kilometer legten wir bis nach Eurasburg zurück. Für diese Etappe tauschten wir die Pferde, Gabi ritt Navajo und ich Mazirah. Lady schwebte ohne Gepäck neben uns her. Ca. drei Viertel der Strecke legten wir im Trab zurück. Zweimal hatten wir steile, abenteuerliche Abhänge zu überwinden, die unseren Mut herausforderten. Unsere Pferde meisterten alles mit Bravour! Im letzten Tageslicht erreichten wir den Schilcherhof in Eurasburg. Für die Nacht war schon Sturm und Temperatursturz angesagt. Beides blieb aus.
Trotzdem überlegten wir am Morgen des 44. Tages , ob es sicher genug ist, um weiter zu reiten. Es regnete in Strömen, gab Windböen und für den Nachmittag war Wintereinbruch mit Schneesturm verhergesagt. Wir wagten es und kamen rechtzeitig an.

Sonntag, 9. November 2008

Ein Wochenende voller Überraschungen

Der 30. Tag starteten wir erst gegen 11 Uhr. Lady konnte wieder ohne Gepäck gehen und wir hatten nur eine kurze Strecke. 4 Kilometer vor unserem Ziel trafen auf eine kleine Patrouille von Westernreitern. Kurt Murauer und zwei Pferdefreundinnen kamen, um uns zur "Lone Star Ranch" zu begleiten. Diese stilechte, nach amerikanischen Vorbild aufgebaute Ranch sollte unser Quartier für die nächsten 3 Tage sein. Josefa und Alois Kammerer empfingen uns herzlich und luden uns ein. Dann kam ein Journalist von der Rieder Rundschau, um über unseren Ritt und den Sterntalerhof zu berichten. Die nächte Überraschung: Manuela und Kurt Murauer haben eine Firma für Baumanagment. Um unsere Reise und unser Spendenprojekt zu unterstützen hatten sie den ganzen Tag mit ihren Freunden, Bekannten und Geschäftsfreunden gesprochen und Zusagen für Spenden für den Sterntalerhof in Höhe von 2500 Euro bekommen !!! Wir waren überwältigt.
Die Lone Star Ranch ist nicht nur eine gute Adresse für erholsame Ritte durch eine fantastische Landschaft, sonder auch "Home of Missouri Foxtrotter". Vor 13 Jahren, nachdem sie die Landwirtschaft mit Rindern aufgaben, startete Familie Kammerer die Zucht dieser Pferde, die durch ihre speziellen, besonders angenehm zu sitzenden Gangarten, auch "The Cowboy Cadillac" genannt werden. Gespannt ließen wir uns von Josefa erzählen, wie alles begann. Mit viel Mut, Risikobereitschaft und Geschick haben sie ihre Vision verwirklicht. Mittlerweile sind in ganz Europa Missouri Foxtrotter aus ihrer Zucht zu finden.
Eine weitere Übrraschung erlebten wir durch das Kennenlernen von Berthold und Ulrike Höger. Die Högers sind Distanz-, Western- und Wanderreiter. Sie waren bei der Gründung der LAG, der Laufstall Arbeitsgemeinschaft, dabei gewesen und an der Ausarbeitung einer Wanderreitkarte für Bayern beteiligt. So bekamen wir gleich Tipps für Unterkünfte in Deutschland. Natürlich haben wir uns auch über sinnvolle und artgerechte Pferdehaltung ausgetauscht. Sehr interessant zu lesen sind Höger's Gedanken zur Pferdehaltung.

Freitag, 7. November 2008

Ein Herbst wie aus dem Bilderbuch

Temperaturen um 20 Grad Celsius, leuchtend gelbe Rapsfelder, Laubbäume in den schönsten Farben, die umgepflügte Erde im Sonnenlicht silber schimmernd, auf den Wiesen ein Gewebe aus Millionen von Spinnweben, sichbar gemacht, durch die tief stehende Nachmittagssonne und das alles ohne lästige Fliegen, Mücken und Bremsen. So lässt sich unser Traumherbst 2008 beschreiben. Seit 4 Wochen reiten wir durch Österreich und es hat einmal 10 Minuten lang geregnet. Wir haben so ein Glück und dankbar für jeden einzelnen trockenen Tag.

Am 29. Tag ging es nach Gaspoltshofen zum Königmairgut. Die Besitzerin Theres Huber kam uns entgegen geritten. Wir haben auf unserer Reise schon einige Höfe und Reitanlagen gesehen, das Königsmairgut ist das bisher schönste. Alles ist liebevoll hergerichtet, die Pferde haben große helle und luftige Boxen für die Nacht und Weiden und Paddogs für den Tag. Einfach nur schön! Am 30. Tag ritten wir in die Nähe von Ried am Innkreis. Theres nahm sich wieder Zeit für uns und begleitete uns noch ein gutes Stück. Am Morgen bekamen wir schon besonderen Besuch: Manuela und Kurt Murauer, 2 begeisterte Parelli Anhänger und Level 3 Studenten kamen, um unser Gepäck abzuholen, damit unsere Lady mal einen "Kurzurlaub" bekommt. Sie hatten uns schon lange vorher geschrieben und uns ihre Hilfe bei der Quartiersuche angeboten und uns in ihr Haus eingeladen. Natürlich begann am Abend ein reger Austausch über unsere Pferde, die Reiterei im allgemeinen und Parelli im speziellen. Manuele und Kurt sind nicht nur Parelli Anhänger sonder sehen ihre reiterliche Heimat auch in der altkalifornischen Reitweise. Kurt erzählte uns über seine Kurse bei Altmeitster Jean Claude Dysli und bei Martin Kreuzer. Kurz vor dem Schlafengehen zeigten sie uns noch ein Video auf youtube von einem Wunderpferd. Man kann über Stierkampf denken was man will, aber dieses Video, in dem Merlin sein unglaubliches Können zeigt, ist der Hammer.

Dienstag, 4. November 2008

Wir sind in Oberösterreich

Heute ist der 28. Tag und wir hatten eine Mini Etappe. Im Augenblick durchleben wir ein Tief und sind einfach nur müde. Diese Reise kostet wirklich Kraft. Um es zu schaffen, um 8 Uhr aufbrechen zu können, klingelt jeden Tag um 4 Uhr bei uns der Wecker und ungefähr 20 Minuten später stehen wir auf. Was dann folgt, ist unsere Taschen zusammen packen, Pferde füttern und putzen, satteln, Hufschuhe anziehen, Morgentoilette, Frühstück, Taschen auswiegen, Gewicht ausgleichen und an Lady befestigen. Wenn das alles gut läuft, können wir um 8 Uhr starten. Unterwegs gibt es immer wieder Anlässe für kleine Pausen. Solche Anlässe sind: wir haben Durst, wir haben Hunger, uns ist zu kalt oder zu warm, wir müssen mal hintern Busch, Pferde tränken, Pferde grasen, Standortbestimmung auf der Karte,Karte umdrehen, den richtigen Weg auskundschaften, mit der nächsten Unterkunft telefonieren, wir werden von Leuten angeprochen und erzählen von unserem Ritt und dem Spendenprojekt. Wenn wir dann am Zielort angekommen sind, versorgen wir als erstes die Pferde und richten uns unseren Schlafplatz ein. Unsere Gastgeber möchten natürlich immer ganz viel von uns wissen, also sitzen wir dann zusammen und wir berichten. Die Menschen begegnen uns mit sehr großer Offenheit und Großzügigkeit, wir haben allen Grund dankbar zu sein.

Hier die Stationen der Tage 23 bis 28.
Nach Neuhofen an der Ybbs führte uns unser Weg nach Seitenstetten zur Familie Oberradter, von der sehr herzlich aufgenommen wurden. In Seitenstetten besichtigte ich ein riesiges Kloster, den Stift Seitenstetten. Am 30. 10. erreichten wir Oberösterreich und hatten eine stürmische Nacht im Zelt auf der Pferdekoppel. Am Abend kam Föhnwind auf, der sich dann in der Nacht zum Sturm entwickelte. Der Samstag war ein langer Tag mit bestimmt 30 Kilometern Strecke. Das Wetter war sensationell, Sonnenbrand am 1. November bei 20 Grad Celsius ! Unser Ziel war die Waldschule der Familie Riesenhuber in Hehenberg, nördlich von Bad Hall. Um dort hin zu kommen, mussten wir durch gut besuchte Fußgängerzone von Bad Hall und waren die Attraktion des Tages. "Riesi's Waldschule" bringt Kinder und Erwachsene durch das hautnahe Naturerlebnis der Waldwanderungen mit dem Lebensraum Wald und mit der Natur in Kontakt. Zur Familie Riesenhuber sind wir durch Gabi Marker vom Parelli Instruktoren Büro gekommen. Das Team von Parelli Instruktoren hat eine Meldung unseres Rittes auf die erste Seite ihrer homepage gesetzt und einen gutenText dazu geschrieben. Bei den Riesenhubers machten wir einen Tag Pause. Am Montag ging es weiter zum Ponyhof Flucher in Sattledt und am Dienstag nach Fischlham zur Familie Pischel. Sabine Pischel ist Pferdefrau, Sängerin und Gittaristin der Band "Holy Ann & the Jukebox Junkys". Gernot Pischel hat sich dem liebsten Accessoire der Frauen -der Handtasche- verschrieben und deshalb die Firma Goldburg mit ins Leben gerufen. Es war für mich sehr interessant, mich mit Gernot über Ideen, Visionen und deren Wege zur Umsetzung zu unterhalten.