Sonntag, 9. November 2008

Ein Wochenende voller Überraschungen

Der 30. Tag starteten wir erst gegen 11 Uhr. Lady konnte wieder ohne Gepäck gehen und wir hatten nur eine kurze Strecke. 4 Kilometer vor unserem Ziel trafen auf eine kleine Patrouille von Westernreitern. Kurt Murauer und zwei Pferdefreundinnen kamen, um uns zur "Lone Star Ranch" zu begleiten. Diese stilechte, nach amerikanischen Vorbild aufgebaute Ranch sollte unser Quartier für die nächsten 3 Tage sein. Josefa und Alois Kammerer empfingen uns herzlich und luden uns ein. Dann kam ein Journalist von der Rieder Rundschau, um über unseren Ritt und den Sterntalerhof zu berichten. Die nächte Überraschung: Manuela und Kurt Murauer haben eine Firma für Baumanagment. Um unsere Reise und unser Spendenprojekt zu unterstützen hatten sie den ganzen Tag mit ihren Freunden, Bekannten und Geschäftsfreunden gesprochen und Zusagen für Spenden für den Sterntalerhof in Höhe von 2500 Euro bekommen !!! Wir waren überwältigt.
Die Lone Star Ranch ist nicht nur eine gute Adresse für erholsame Ritte durch eine fantastische Landschaft, sonder auch "Home of Missouri Foxtrotter". Vor 13 Jahren, nachdem sie die Landwirtschaft mit Rindern aufgaben, startete Familie Kammerer die Zucht dieser Pferde, die durch ihre speziellen, besonders angenehm zu sitzenden Gangarten, auch "The Cowboy Cadillac" genannt werden. Gespannt ließen wir uns von Josefa erzählen, wie alles begann. Mit viel Mut, Risikobereitschaft und Geschick haben sie ihre Vision verwirklicht. Mittlerweile sind in ganz Europa Missouri Foxtrotter aus ihrer Zucht zu finden.
Eine weitere Übrraschung erlebten wir durch das Kennenlernen von Berthold und Ulrike Höger. Die Högers sind Distanz-, Western- und Wanderreiter. Sie waren bei der Gründung der LAG, der Laufstall Arbeitsgemeinschaft, dabei gewesen und an der Ausarbeitung einer Wanderreitkarte für Bayern beteiligt. So bekamen wir gleich Tipps für Unterkünfte in Deutschland. Natürlich haben wir uns auch über sinnvolle und artgerechte Pferdehaltung ausgetauscht. Sehr interessant zu lesen sind Höger's Gedanken zur Pferdehaltung.

Freitag, 7. November 2008

Ein Herbst wie aus dem Bilderbuch

Temperaturen um 20 Grad Celsius, leuchtend gelbe Rapsfelder, Laubbäume in den schönsten Farben, die umgepflügte Erde im Sonnenlicht silber schimmernd, auf den Wiesen ein Gewebe aus Millionen von Spinnweben, sichbar gemacht, durch die tief stehende Nachmittagssonne und das alles ohne lästige Fliegen, Mücken und Bremsen. So lässt sich unser Traumherbst 2008 beschreiben. Seit 4 Wochen reiten wir durch Österreich und es hat einmal 10 Minuten lang geregnet. Wir haben so ein Glück und dankbar für jeden einzelnen trockenen Tag.

Am 29. Tag ging es nach Gaspoltshofen zum Königmairgut. Die Besitzerin Theres Huber kam uns entgegen geritten. Wir haben auf unserer Reise schon einige Höfe und Reitanlagen gesehen, das Königsmairgut ist das bisher schönste. Alles ist liebevoll hergerichtet, die Pferde haben große helle und luftige Boxen für die Nacht und Weiden und Paddogs für den Tag. Einfach nur schön! Am 30. Tag ritten wir in die Nähe von Ried am Innkreis. Theres nahm sich wieder Zeit für uns und begleitete uns noch ein gutes Stück. Am Morgen bekamen wir schon besonderen Besuch: Manuela und Kurt Murauer, 2 begeisterte Parelli Anhänger und Level 3 Studenten kamen, um unser Gepäck abzuholen, damit unsere Lady mal einen "Kurzurlaub" bekommt. Sie hatten uns schon lange vorher geschrieben und uns ihre Hilfe bei der Quartiersuche angeboten und uns in ihr Haus eingeladen. Natürlich begann am Abend ein reger Austausch über unsere Pferde, die Reiterei im allgemeinen und Parelli im speziellen. Manuele und Kurt sind nicht nur Parelli Anhänger sonder sehen ihre reiterliche Heimat auch in der altkalifornischen Reitweise. Kurt erzählte uns über seine Kurse bei Altmeitster Jean Claude Dysli und bei Martin Kreuzer. Kurz vor dem Schlafengehen zeigten sie uns noch ein Video auf youtube von einem Wunderpferd. Man kann über Stierkampf denken was man will, aber dieses Video, in dem Merlin sein unglaubliches Können zeigt, ist der Hammer.

Dienstag, 4. November 2008

Wir sind in Oberösterreich

Heute ist der 28. Tag und wir hatten eine Mini Etappe. Im Augenblick durchleben wir ein Tief und sind einfach nur müde. Diese Reise kostet wirklich Kraft. Um es zu schaffen, um 8 Uhr aufbrechen zu können, klingelt jeden Tag um 4 Uhr bei uns der Wecker und ungefähr 20 Minuten später stehen wir auf. Was dann folgt, ist unsere Taschen zusammen packen, Pferde füttern und putzen, satteln, Hufschuhe anziehen, Morgentoilette, Frühstück, Taschen auswiegen, Gewicht ausgleichen und an Lady befestigen. Wenn das alles gut läuft, können wir um 8 Uhr starten. Unterwegs gibt es immer wieder Anlässe für kleine Pausen. Solche Anlässe sind: wir haben Durst, wir haben Hunger, uns ist zu kalt oder zu warm, wir müssen mal hintern Busch, Pferde tränken, Pferde grasen, Standortbestimmung auf der Karte,Karte umdrehen, den richtigen Weg auskundschaften, mit der nächsten Unterkunft telefonieren, wir werden von Leuten angeprochen und erzählen von unserem Ritt und dem Spendenprojekt. Wenn wir dann am Zielort angekommen sind, versorgen wir als erstes die Pferde und richten uns unseren Schlafplatz ein. Unsere Gastgeber möchten natürlich immer ganz viel von uns wissen, also sitzen wir dann zusammen und wir berichten. Die Menschen begegnen uns mit sehr großer Offenheit und Großzügigkeit, wir haben allen Grund dankbar zu sein.

Hier die Stationen der Tage 23 bis 28.
Nach Neuhofen an der Ybbs führte uns unser Weg nach Seitenstetten zur Familie Oberradter, von der sehr herzlich aufgenommen wurden. In Seitenstetten besichtigte ich ein riesiges Kloster, den Stift Seitenstetten. Am 30. 10. erreichten wir Oberösterreich und hatten eine stürmische Nacht im Zelt auf der Pferdekoppel. Am Abend kam Föhnwind auf, der sich dann in der Nacht zum Sturm entwickelte. Der Samstag war ein langer Tag mit bestimmt 30 Kilometern Strecke. Das Wetter war sensationell, Sonnenbrand am 1. November bei 20 Grad Celsius ! Unser Ziel war die Waldschule der Familie Riesenhuber in Hehenberg, nördlich von Bad Hall. Um dort hin zu kommen, mussten wir durch gut besuchte Fußgängerzone von Bad Hall und waren die Attraktion des Tages. "Riesi's Waldschule" bringt Kinder und Erwachsene durch das hautnahe Naturerlebnis der Waldwanderungen mit dem Lebensraum Wald und mit der Natur in Kontakt. Zur Familie Riesenhuber sind wir durch Gabi Marker vom Parelli Instruktoren Büro gekommen. Das Team von Parelli Instruktoren hat eine Meldung unseres Rittes auf die erste Seite ihrer homepage gesetzt und einen gutenText dazu geschrieben. Bei den Riesenhubers machten wir einen Tag Pause. Am Montag ging es weiter zum Ponyhof Flucher in Sattledt und am Dienstag nach Fischlham zur Familie Pischel. Sabine Pischel ist Pferdefrau, Sängerin und Gittaristin der Band "Holy Ann & the Jukebox Junkys". Gernot Pischel hat sich dem liebsten Accessoire der Frauen -der Handtasche- verschrieben und deshalb die Firma Goldburg mit ins Leben gerufen. Es war für mich sehr interessant, mich mit Gernot über Ideen, Visionen und deren Wege zur Umsetzung zu unterhalten.

Dienstag, 28. Oktober 2008

Der 22. Tag

Drei Wochen sind wir schon unterwegs. Die Zeit verging für uns aufgrund der vielen neuen Eindrücke wie im Fluge. Inzwischen sind wir ein gut eingespieltes Team und die Anfangsschwierigkeiten sind überwunden. Gabi hat die Navigation übernommen und macht das sehr gut. Es gibt kaum noch ein Verreiten. Bisher hatten wir großes Glück mit dem Wetter und hoffen, dass es weiter trocken bleibt. Es gab schon einige Tage, an denen uns die Kälte zusetzte, obwohl es ja noch gar nicht wirklich winterlich kalt war.
Hier ein kleiner Überblick der letzten Tage: Vom Berghof in Hainfeld ging es am Samstag auf einem Radweg nach Wilhelmsburg zum Reiterhof Holzerhof. Auch hier wurden wir herzlich empfangen und saßen am Abend für unsere Verhältnisse viel zu lange mit den Pferdefreunden zusammen. Am Sonntag war Grub bei Kilb unser Ziel und wir hatten das Glück, das Rudi, ein Mitarbeiter vom Holzerhof, sich die Zeit nahm und ein großes Stück mit uns mit ritt. Das ist immer das Beste für uns, wenn Ortskundige uns die Wege zeigen, die wir selbst nie gefunden hätten. Unsere Freunde Verena und Dominik besuchten uns in Grub und sie brauchten für die Strecke, die wir in 10 Tagen zurück gelegt hatten immerhin 2,5 Stunden mit dem Auto. Von Grub ging es weiter nach Oberndorf. Dort waren wir bei der pferdebegeisterten Familie Spieslechner zu Gast, die für ihre Pferde in ihrer großen Garage unter der Terrasse zwei geräumige Boxen eingebaut haben. Unsere Pferde durften auf der Koppel übernachten. Von Oberndorf ging der Weg weiter nach Neumarkt/Ybbs zum Haflingerzüchter Josef Sachslehner. Auf seinem Hof werden schon seit 40 Jahren aus eigener Stutenlinie Haflinger gezüchtetet. Heute sind wir in bei Franz Kromoser zu Gast, dessen Leidenschaft die Warmblutzucht ist. Er züchtet seit 35 Jahren und hat mit seinen Nachwuchspferden schon viele Male österreichische Bundes- und Landeschampionate gewonnen oder war in den vorderen Plätzen vertreten. Gabi ist bei Pferdezüchtern immer besonders Feuer und Flamme, sie kennt Zuchtlinien und Deckhengste und liebt es, darüber zu reden.
Die Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen, denen wir auf unserem Weg begegnen, berührt uns immer wieder.

Samstag, 25. Oktober 2008

Der 17.Tag

Der Pausentag auf dem Föhrenhof hat uns und unseren Pferden gut getan. Sylvia Ries, die Chefin des Föhrenhof hat sich ganz lieb um uns gekümmert. Sie hat nicht nur unsere Wäsche gewaschen, ist mit uns einkaufen gefahren und abends essen gewesen, sie hat auch gleich die Initiative ergriffen und bei den Einstellern des Föhrenhof für den Sterntalerhof gesammelt. 105 Euro sind zusammen gekommen. Danke Sylvia! Ach ja, wir bekamen noch unverhofften Besuch. Ein Wanderreiter aus dem Raum Wien hatte uns im Forum von "ich habe ein Pferd" ziemlich heftig auf's Korn genommen. Er kam, um sich nun selbst ein Bild von uns, unseren Pferden und unserer Ausrüstung zu machen. Als er alles gesehen und mit Gabi ausführlich gesprochen hatte, entschuldigte er sich bei uns und am nächten Tag auch öffentlich im Forum. Wir haben uns darüber sehr gefreut. Ich habe immer große Achtung vor Menschen, die den Mut haben zu sagen, dass sie sich geirrt haben und sich entschuldigen, dazu noch öffentlich. Am Freitag ging es hinaus aus dem nebeligen Tristingtal zum Berghof nach Hainfeld. Zunächst war die Strecke etwas langweilig, da wir weiter auf dem Radweg ritten. Dann kamen wir an eine Sperre, eine Bäuerin öffnete ein Tor zu ihrer Wiese , wo der Wanderweg begann und die Aktion begann. Da wir uns jetzt schon viel besser orientieren können, fanden wir schließlich den Weg, den wir uns auf der Karte ausgesucht hatten. Es pfiff eisiger Nebelwind. Wir stiegen höher und endlich löste sich der Nebel auf und die Sonne schien wieder. Der Wanderweg führte uns von Rinderkoppel zu Rinderkoppel. Gatter auf, Gatter zu. Dann das letzte Gatter: die Tür mit Vor-
ngeschloss und Kette gesichert, es führte nur eine Treppe drüber. Gabi hatte ein Stück weiter noch ein anderes Gatter gesehen. Wir hin, auch verschlossen. Na prima, und nun? Gabi entdeckte, dass man das Gatter am Scharnier aushängen konnte. Als hängten wir es aus, Pferde durch und Gatter wieder eingehängt. Geschafft? Leider nein, denn nun sahen wir den Stacheldrahtzaun, der uns immer noch vom Wanderweg trennte. Was nun? Wir hoben 4 der Pfosten aus der Erde, legten den Zaun nieder und packten Äste über den Stacheldraht. Jetzt konnten wir mit dem Fuß, einer rechts und einer links, den Stacheldraht auf der Erde halten und so gefahrlos die Pferde drüberführen. Nachdem wir den Zaun wieder aufgestellt hatten, wanderten wir den Weg weiter und wurden mit einer herrlichen Aussicht belohnt. Der Abstieg wurde dann noch spannend, den auf einmal ging auf sehr schmalem Weg ziemlich steil bergab. Gegen 17 Uhr erreichten wir den Berghof.

Mittwoch, 22. Oktober 2008

Der 15. Tag

Heute schafften wir wieder eine gute Etappe. Bei Sonnenschein starteten wir gegen 9 Uhr in Hernstein. Vorher gab es von Familie Wöhrer, die sich so spontan und voller Begeisterung um unsere Pferde gekümmert haben, noch eine Überraschung. Frau Wöhrer hatte uns extra noch einen kleinen Kuchen für unterwegs gebacken. Lecker! Christoph Steiner, Trickreiter und Schauspieler ( Schubert Theater in Wien, Winnetou Festspiele Winzendorf) war für einen Teil der Stecke unser Scout. Er führte uns durch den Wald auf zum Teil schmalen "Indianerpfaden" und brachte uns sicher (ohne Verirrungen) nach Berndorf. Danach ging es durch das Tristingtal. Schöne Wege gab es hier nicht. Meistens ritten wir dem Radweg entlang. Spannend wurde es nur auf schmalen Brücken, Bahnübergängen und als der Weg nicht mal einen Meter neben dem Eisenbahngleis entlang führte. Gegen 15.30 Uhr überquerten wir die letzte, dafür aber extra schmale eisenbeplankte Brücke und erreichten den Föhrenhof. Gabi hat gerade die Karten ausgebreitet und sucht einen schöneren Weg weiter nach Westen.